"Die Frauen sind schön, zum Teil aber dem Trunk ergeben und oft sogar schwer berauscht von dem Hamburger Bier, einem Getränk, das wie kein zweites in Deutschland durch seine süße Schwere die Sinne umnebeln kann."
              
1530, Henricus Ubbius über die Emder Bürgerinnen.

Grundnahrungsmittel Bier im berauschten Europa

In der Tat stellte Bier zu dieser Zeit eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel in Europa dar und war das traditionelle Getränk der breiten Bevölkerung. Aufgrund der schlechten Wasserverhältnisse in der ostfriesischen Marsch konnte Bier im eigenen Land nicht in der notwendigen Menge gebraut werden. Die Anhänger der Mäßigkeitsbewegung der Reformationszeit kritisierten diese traditionellen Trinkgewohnheiten. Viele Humanisten, u. a. der Jurist und ostfriesische Kanzler Henricus Ubbius1 erklärten den "Saufteufel" zu ihrem Gegner. Doch erst als mit Kaffee und Tee entsprechende Ersatzgetränke gefunden wurden, konnte die bürgerliche Mäßigkeitsbewegung wirksam gegen den Alkohol vorgehen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich die Kaffeehäuser des 17. und 18. Jahrhunderts sowohl zum Treffpunkt aller sozialen Schichten als auch zur bürgerlichen Nachrichtenbörse, in der Geschäfte abgeschlossen wurden. Neben Kaffee wurden dort auch Tee und Schokolade ausgeschenkt.

Holland brachte Wohlstand und Tee

Über Jahrhunderte hinweg übte die Nähe zu Holland einen großen Einfluss auf die Maßstäbe und den Wohlstand in Ostfriesland aus. Denn seit dem 16. Jahrhundert siedelten sich holländische Kaufleute in Krisenzeiten vor allem in Emden an, um von dort ungestört ihren Handel betreiben zu können.
Anfang des 17. Jahrhunderts gelang es den Niederlanden, sich als führende Seefahrernation zu behaupten. 1610 wird der erste Tee von den Schiffen der Niederländischen Ostindien-Kompanie nach Europa importiert. Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts blieb er jedoch ein seltener Handelsartikel. Außerhalb Hollands war Tee eher in Kuriositätenkammern als auf der Speisetafel zu finden. Die Bekanntheit und Nachfrage stieg erst, zunächst jedoch lediglich als Medizin, nachdem holländische Mediziner für Tee als Heilmittel warben. Erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erlangte Tee eine bedeutende Rolle im Handel.
Laut der Geschichtsbücher wurde Tee in Ostfriesland erstmals 1675 erwähnt.

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Quelle: „Die Geschichte des Teetrinkens in Ostfriesland“ zusammengestellt von Ralf Töpfer. Grundlage: "Zur Sozialgeschichte des Teetrinkens in Ostfriesland", herausgegeben von der Museumsfachstelle - MOBiLE - der Ostfriesischen Landschaft, Aurich.

Weitere Quellen:
1 Biographisches Lexikon für Ostfriesland, Landschaftsbibliothek
2 Robert Fortune, Wikipedia

3 Tee in Ostfriesland, Hanne Klöver, Sambucus Verlag, S. 78