Bünting Tee Landlord SchwarzteeDer englische Stil

Im Jahre 1815 wurde Ostfriesland an Hannover abgetreten und rückte damit politisch an England heran. Schon im 18. Jahrhundert erfreuten sich "Teegesellschaften" in den gebildeten Kreisen Europas großer Beliebtheit. Vor allem in der Zeit nach 1800 stand Tee beim modebewussten Publikum in höherem Ansehen als Kaffee. Darum wollten interessierte Ostfriesen auch mehr über Tee erfahren. Auch der Marschbauer machte die "Englandmode" mit und servierte seinen Gästen wohl-schmeckenden grünen Tee. Zusammen mit seinem Gesinde trank der Marschbauer hauptsächlich preiswerten Tee, um den damals schlechten Geschmack des Trinkwassers zu überdecken. Während der Wirtschaftsflaute von 1820 bis 1830 gingen viele Marschbauern Konkurs. In der Presse wurde verstärkt appelliert, an Kaffee, Tee und Zucker zu sparen. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung um 1830 bildete sich der soziale Gegensatz zwischen Bauer und Gesinde in der Marsch weiter aus.

Hintergründe und Lebensbedingungen

Die ländlichen Oberschichten orientierten sich an überregionalen Lebensformen und näherten sich dem Typ des Unternehmers an. Auf der konservativen Geest lebte und ernährte man sich noch wesentlich länger in traditioneller Weise von warmem Brei und Suppe, doch begannen Kaffee und Tee als Genussmittel bereits eine Rolle zu spielen. Die Moorkolonisten tranken zu ihrer einseitigen Ernährung, die hauptsächlich aus Kartoffeln bestand, in erster Linie Tee. Die Moorbauern waren primär auf Wasser als Getränk angewiesen. Das eigentlich wenig geeignete moorige und stark eisenhaltige Grundwasser musste aus gesundheitlichen Gründen abgekocht werden. Aus geschmacklichen Gründen war es sinnvoll, zum Wasser etwas hinzuzusetzen. Was wäre besser geeignet gewesen als Tee?
Es lässt sich feststellen, dass bereits um 1820 alle sozialen Gruppen Ostfrieslands mehr oder weniger täglich Tee zu sich nahmen; doch kam dem Teetrinken in den verschiedenen Siedlungsräumen Marsch, Moor und Geest eine unterschiedliche Bedeutung zu.

Bünting Tee Fine Green PremiumqualitätOberschichten bevorzugten Grüntee

Die städtischen und ländlichen Oberschichten, die in der Regel durch Angehörige der Beamten- und Kaufmannsschaft und des wohlhabenden Marschbauerntums repräsentiert wurden, nahmen vor allem nach 1815 ausgiebig an der Englandmode teil. Dadurch erhielt der Tee — speziell der grüne Tee — eine gesellschaftliche Aufwertung gegenüber dem im gesamten Nordwestraum allmählich zum "Volksgetränk" abgesunkenen Kaffee, der durchgängig in diesen Gruppen vorher als Alltagsgetränk oder zumindest als Genussmittel dem Tee vorgezogen wurde.

Alltagsgetränk in der Marsch

Aufgrund der problematischen Wasserqualität in den Marschgebieten spielte der preiswerte Tee aber schon seit dem 18. Jahrhundert eine wichtige Rolle in der Trinkwasseraufbereitung. Selbst das Gesinde und angeheuerte Tagelöhner erhielten dort täglich dünne Teeaufgüsse, die zudem noch preiswerter als andere Getränke oder die traditionelle Breiernährung waren.

Genussgetränk in der Geest

Bünting Tee Friesentee SchwarzteeDie Menschen in der eher konservativen Geest ernährten sich noch größtenteils traditionell. Tee war noch nicht in die Alltagsernährung, besonders des Gesindes, eingeführt worden; doch tranken zumindest die Hausleute dieses Getränk als Genussmittel und begannen — wenn auch eingeschränkt — an den gängigen Modeformen teilzunehmen.

Nahrungsmittelersatz im Moor

Ganz anders hingegen war die Situation im Moor: Bei ebenso schlechter Wasserversorgung wie in der Marsch lag hier eine völlig entgegengesetzte finanzielle Situation der Bewohner vor. Auch wenn es preiswertere „Wasserverbesserer", z. B. in Form des Kaffeesurrogat Zichorie gab, bedurften die proletarisierten und an der Existenzgrenze vegetierenden Kolonisten der beruhigenden und das Hungergefühl zeitweise betäubenden Wirkstoffe des Tees. Der Tee hatte gerade für die Ärmsten mehrere Vorteile gegenüber dem Kaffee: Neben der einfachen Zubereitungsart (Tee und Wasser müssen lediglich in eine Kanne gefüllt werden) benötigte man keine speziellen und kostspieligen Geräte wie z. B. Röstpfanne, Kaffeemühle etc. Preislich lag der Pfundpreis der billigsten Teesorten kaum über, teilweise sogar unter dem Kaffeepreis. Da die Ergiebigkeit des Tees gegenüber der des Kaffees aber in jedem Fall bis zu vier- oder fünfmal höher anzusetzen ist, bleibt Tee bei weitem wirtschaftlicher im Verbrauch.

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Quelle: „Die Geschichte des Teetrinkens in Ostfriesland“, zusammengestellt von Ralf Töpfer. Grundlage: "Zur Sozialgeschichte des Teetrinkens in Ostfriesland", herausgegeben von der Museumsfachstelle - MOBiLE - der Ostfriesischen Landschaft, Aurich.

Weitere Quellen:
1 Biographisches Lexikon für Ostfriesland, Landschaftsbibliothek
2 Robert Fortune, Wikipedia
, Plantexplorers.com
3 Tee in Ostfriesland, Hanne Klöver, Sambucus Verlag, S. 78