Der erste Frühlingswind weht Meeresluft durch die gepflasterten, engen Gassen der kleinen, aufstrebenden Handelsstadt Leer (5.000 Einwohner um 1800) in der Mitte Ostfrieslands. Eben haben die Ausrufer die Ankunft eines Frachtschiffes aus Amsterdam oder Bremen gemeldet.

Ernst und in ihren strengen, dunklen, langen Röcken und schwarzen Zylindern etwas steif wirkend, schreiten würdige Handelsherren zur Waage am Leeraner Hafen. Hier werden die ankommenden Waren taxiert und versteigert. Heute, am 3. Mai 1806 stehen Tabak, Tran, Tee und „einige Piepen Barceloner Brandwein“ zum Verkauf an.

Etwas aufgeregt bietet ein junger Mann mit, den hier in Leer noch niemand kennt. Der 24-jährige Johann Bünting hat erst vor zwei Tagen einen „Kruideniers-Handel“ gepachtet. Sein Laden liegt am Rande der Stadt, in der Ausfallstrasse „Zwischen beiden Brunnen“ (heute Brunnenstraße). Ein erster Schritt auf dem langen Weg zu einem bedeutenden Handels- und Dienstleistungsunternehmen war getan.

>> Der Mensch Johann Bünting